Hygiene - Information - Tiergesundheit - Teil 3

AUSGABE 5 - JANUAR 2018

Mortellaro – Klauenerkrankung Nr. 1 in vielen Michviehbetrieben und kein Ende in Sicht?

Durch die ersten beiden Ausgaben der Hygiene-Information wurden die ersten 3 Bereiche des 5-Punkte-Plans beleuchtet. Die teilweise prekäre Lage in Milchviehbetrieben in Bezug auf die Dermatitis digitalis (Mortellaro’sche Krankheit) und die häufig unzureichenden und wenig nachhaltigen Erfolge bei der Bekämpfung dieser Erkrankung wurden dargelegt.

Eine Verbesserung der Erfolgsmöglichkeiten durch die einzelnen Punkte des 5-Punkte-Plans zur Kontrolle der Mortellaro’schen Krankheit durch Maßnahmen in den Bereichen:

  1. Externe Biosicherheit – Fernhalten der Erkrankung vom Betrieb
  2. Interne Biosicherheit – Verhinderung der Verschleppung im Betrieb
  3. Frühe Erkennung, Dokumentation und Behandlung von klinischen Fällen in Verbindung mit Klauenpflegemaßnahmen

wurden aufgezeigt.

Im letzten Teil der Hygiene-Information sollen nun die beiden letzten Punkte des 5-Punkte-Plans abgehandelt werden.
     4. Regelmäßige Klauendesinfektion
     5. Klauengesundheitsziele definieren

Welchen Stellenwert bei der Kontrolle der Mortellaro’schen Krankheit besitzen Klauendesinfektionsmaßnahmen durch Klauenbäder oder Sprühbehandlungen?

Welche Art von Desinfektionsmitteln sind anwendbar und wie können/sollten diese angewendet werden?

Diese Fragen sollen im Folgenden beantwortet werden.

4. Regelmäßige Klauendesinfektion

Die häufigste Methode zur Bekämpfung der Mortellaro’schen Krankheit in den betroffenen Milchviehbetrieben stellt der Einsatz von Klauendesinfektionsmitteln dar.  Hierbei ist zuerst zu beachten, dass es sich bei der Anwendung von Klauenbädern um keine Behandlung handelt, da es für diesen Zweck der Behandlung oder Vorbeugung der Mortellaro’schen Krankheit in Deutschland keine zugelassenen Tierarzneimittel gibt. Lediglich das Auftreten neuer akuter Stadien (M2) kann durch die Verwendung von Klauenbädern unter Kontrolle gehalten werden. 

Für diesen Einsatzbereich gibt es unterschiedliche Wirkstoffe, die in registrierten, bzw. zugelassenen Klauendesinfektionsmitteln zur Anwendung kommen. Es sollte bei diesen Produkten darauf geachtet werden, dass diese Biozide ihre Wirksamkeit nachgewiesen haben und registriert/zugelassen sind. Derartige Desinfektionsmittel reduzieren die Bakterienanzahl auf der Klaue und der Haut und vermindern auf diese Weise das Risiko für Neuinfektionen bzw. Neuausbrüchen von akuten Mortellaro-Stadien. 

Die Verwendung von Kupfersulfat-Lösungen als Klauenbad ist unter den derzeitigen rechtlichen Bestimmungen nur unter besonderer Auslegung des Arzneimittelgesetzes (Verschreibung durch den Tierarzt im Therapienotfall)  zu realisieren, wobei darauf zu achten ist, dass Kupfersulfat als Rohstoff nicht verwendet werden darf, sondern das Rezepturarzneimittel zur Qualitätssicherung den Anforderungen des deutschen Arzneimittelbuches entsprechen und von einer Apotheke bezogen werden muss.
Weitere negative Aspekte bei Anwendung von Kupfersulfat stellen die umweltschädigenden Eigenschaften dar. Kupfersulfat ist sehr giftig für Wasserorganismen und reichert sich bei der Ausbringung auf den Feldern im Boden an (Schwermetallbelastung), wodurch der Pflanzenwuchs gehemmt und die Erträge von Feldfrüchten (Bsp.: Mais) vermindert wird.
Bei der Anwendung von Formaldehyd (Formalin) gibt es registrierte Biozid-Produkte, die diesen Wirkstoff enthalten und verwendet werden dürfen. Es ist jedoch darauf zu achten, dass der Einsatz von Formalin gesundheitliche Risiken birgt, da es krebserregend wirkt und dies bereits bei einer Luftkonzentration, die weit unterhalb der Geruchsschwelle liegt.
Dies bedeutet, wenn der Geruch von Formalin wahrnehmbar ist, wurde die maximale Arbeitsplatzkonzentration (MAK) von 0,3 ml/m³ bereits überschritten und das Risiko für Krebserkrankungen steigt hierdurch deutlich. Derzeit befindet sich der Wirkstoff Formaldehyd auf Grund dieser gesundheits-gefährdenden Eigenschaften in der Überprüfung. Die Entscheidung, ob dieser Stoff weiterhin für die Verwendung in der Veterinärhygiene im Bereich der Biozide zugelassen wird, steht demnach noch aus. 

Ausschließlich registrierte/zugelas-sene Biozide sollten zur Anwendung kommen.

Klauenbäder sollten in Bereichen aufgestellt werden, in denen die Tiere gleichmäßig und zügig das Bad durchschreiten und keine Möglichkeiten haben das Klauenbad zu überspringen oder an den Seiten zu umgehen. Die Klauenbadwannen sollten eine Länge von mind. 3 m und eine Breite von mind. 70-80 cm haben, um zu gewährleisten, dass jede Klaue mindestens 2 Mal in die Desinfektionslösung eintauchen kann. Des Weiteren ist darauf zu achten, dass die Füllhöhe des Bades mindestens 15 cm beträgt, um auch die Afterklauen mit der Desinfektionslösung zu benetzen. Gegebenenfalls sind zwei Wannen hintereinander aufzustellen, um eine ausreichende Länge zu ermöglichen. Vor einer Desinfektion sollte unbedingt eine Reinigung der Klauen durch ein vorgeschaltetes Reinigungsbad realisiert werden, um eine wirkungsvolle Desinfektion zu gewähren. Bei der Verwendung eines Vorreinigungsbads sollte dies in einem Abstand von mind. 2 Schrittlängen vom 

Desinfektionsbad entfernt aufgestellt sein, da es beim Durchschreiten der Tiere häufig anschließend zum Kotabsatz kommt. Dieser Kotansatz sollte in den Zwischenbereich der aufgestellten Bäder erfolgen, um eine vermeidbare Kontamination des Desinfektionsbads zu vermeiden. Hierdurch würde ansonsten die Verwendungsdauer des Desinfektionsbades deutlich verringert. Letzten Endes sollen die Klauen und die angrenzenden Hautpartien desinfiziert werden und nicht der an den Klauen anhaftende Schmutz und Kot.

Bei der Verwendung des Klauendesinfektionsmittels ist auf die Anwendungshinweise des Herstellers in Bezug auf die Dosierung und die Dauer der Anwendung zu achten. Eine regelmäßige Erneuerung der Klauenbadlösung und des Vorreinigungsbades ist empfohlen. Bei den meisten Klauendesinfektionsmitteln werden, je nach Verschmutzungsgrad der Klauen und damit des Bades, Tierpassagen pro Klauenbad von 150-200 Tieren angegeben. Durch regelmäßige visuelle Kontrolle ist zu überprüfen, wann das Klauenbad frisch angesetzt werden muss. Durch automatisierte Klauenbäder ist hier eine deutliche Arbeitserleichterung zu erzielen. Durch zeitgesteuerte oder lichtschrankengesteuerte Klauenbäder werden diese automatisch entleert und neu befüllt. 

Zur Vorreinigung und Desinfektion der Klauen können auch Klauenwaschanlagen Verwendung finden. In den häufigsten Fällen haben sich als Standorte für Klauenbäder die Austreibebereiche des Melkstands bewährt. Bei der Planung neuer Stallanlagen sollte daher die Anwendung von Klauenbädern bereits mit einbezogen und ein geeigneter Standort eingeplant werden. Insbesondere, wenn festinstallierte Betonwannen verwendet werden sollen.

Während der regelmäßigen visuellen Kontrolle des Vorreinigungsbads und des Desinfektionsbads sollten auch die Zu- und Austreibebereiche in Augenschein genommen werden und gegebenenfalls von Kot und Gülle befreit werden, um eine sofortige, erneute Verschmutzung der Klauen zu umgehen und die Einwirkzeit des Desinfektionsmittels sicher zu stellen.

Dort wo eine Möglichkeit zur Anwendung von Klauenbädern nicht besteht, hat sich die Applikation von Desinfektionsmitteln durch Sprühverfahren äußerst effektiv bewährt. Auch für diesen Bereich sind automatische Installationen vorhanden, eine manuelle Anwendung durch die Rückenspritze ist jedoch ebenfalls möglich. Wichtig ist hierbei, den Bereich des Zwischenklauenspalts, der bei der Anwendung der Rückenspritze gut zu erreichen ist, mit einzubeziehen. Gerade hier treten ebenfalls Mortellaro-Wunden auf. Es ist auch bei dieser Anwendungsweise darauf zu Achten, dass die Klauen vor Verabreichung des Desinfektionsmittels gereinigt werden sollten, um bestmögliche Wirkung durch die Desinfektion zu erreichen. Bei der Verwendung der Rückenspritze können die Tiere optimal im Fanggitter fixiert werden und die Desinfektionslösung im Bereich der hinteren Klauen aufgetragen werden.

Zur Kontrolle der Dermatitis digitalis sind Klauen-bäder/Sprüh-behandlungen sehr zu empfehlen. Eine Vorreinigung der Klauen sollte erfolgen.

Für einen optimalen Erfolg bei der Kontrolle der Mortellaro’schen Krankheit sollten Klauenbäder oder Sprühanwendungen regelmäßig mind. 3 Mal wöchentlich an 3 aufeinander folgenden Melkzeiten oder Tagen erfolgen. Hierdurch wird die Bakterienzahl an den Klauen und der angrenzenden Haut für einen gewissen Zeitraum gesenkt. Dies fördert die Möglichkeit der körpereigenen Immunabwehr Verdachtsfälle (M1) zu bekämpfen, bzw. akute M2-Stadien nicht entstehen zu lassen.

Wichtig bei der regelmäßigen Anwendung von Klauenbädern und Sprühanwendungen ist jedoch, die Anwendungshäufigkeit an die Erkrankungsrate (Gesamtzahl betroffener, erkrankter Tiere im Bestand) und die Neuinfektionsrate (Anzahl neu erkrankter Tiere im Bestand) anzupassen. Herden mit hohen Erkankungs- und Neuinfektionsraten sollten häufiger Desinfektionsmaßnahmen durchführen.

Im weiteren Verlauf kann die Häufigkeit der Klauenbad- bzw. Sprühanwendungen reduziert werden, wenn sich eine Verbesserung der Klauengesundheit in Bezug auf die Mortellaro’sche Krankheit eingestellt hat.

Die Häufigkeit der durchzuführenden Desinfektionsmaßnahmen durch Klauenbäder/Sprühanwendungen richtet sich nach der jeweiligen Erkrankungssituation der Herde.

 

5. Klauengesundheitsziele definieren

Daten, die durch die regelmäßigen Maßnahmen: Stallrundgang, Lahmheitsscoring, Scoring der Klauensauberkeit, Scoring der Erkrankungsstadien der Tiere, Klauenpflegedaten, Behandlungsdaten zusammengetragen werden, sind regelmäßig auszuwerten und in Bezug zu gesetzten Erfolgszielen festzulegen.

Die Klauengesundheitsziele sollten nach Statuserhebung (Erkrankungsrate, Neuinfektionsrate) in Zusammenarbeit mit dem Klauenpfleger und Hoftierarzt definiert,regelmäßig verfolgt und ausgewertet werden. Bestände mit schlechtem Klauengesundheitsstatus und hoher Erkrankungsrate bei Mortellaro’scher Krankheit sind in diesem Zusammenhang engmaschiger in kürzeren Abständen zu kontrollieren und im Hinblick auf die etablierten Verbesserungsmaßnahmen in den unterschiedlichen Bereichen, Klauenhygiene, Klauenpflege, Klauenbehandlungen, etc. auszuwerten. Gegebenenfalls sind Maßnahmen zu überdenken, neu aufzunehmen oder anzupassen, um eine Optimierung der Ergebnisse zu erreichen.

Mögliche Klauengesundheitsziele können sein: 

Definierte Ziele sollten hierbei nicht zu hoch gesteckt werden, eine Verbesserung der Situation sollte sich im Verlauf von 12 Monaten einstellen.

Zu berücksichtigen ist, dass Klauenbäder eine wirkungsvolle Maßnahme bei der Kontrolle der Mortellaro’schen Krankheit sind. Sie sind jedoch nur ein Punkt im gesamten Maßnahmenprogramm des 5-Punkte-Plans. Nur in der gesamten Betrachtung und durch Optimierungsmaßnahmen in allen Bereichen, ist eine nachhaltige Verbesserung der Situation auf einem Betrieb möglich.

DeLaval bietet im Bereich der Klauenreinigungsmittel und Klauendesinfektionsmittel folgende Produkte an:

Klauenreiniger:

DeLaval Klauenreiniger HC40

  • Ein schonendes Reinigungsmittel
  • Direkt vor dem Desinfektionsbad zu verwenden
  • Entfernt Schmutz wirkungsvoll von den Klauen
  • Hilft den Klauenzwischenraum zu reinigen
  • Verhindert bei regelmäßiger Anwendung das Anhaften von Schmutz an den Klauen und beugt si der Ansiedlung von Bakterien vor
  • Bereitet die Klauen optimal auf die folgende Desinfektion vor
  • Geringer Verbrauch, nur 0,4% Dosierung = 0,8 l/ 200 l Wasser

Klauendesinfektion:

4HoovesTM

  • Klauendesinfektionsmittel mit Biozid-Registrierung
  • Wirksamkeit im praktischen Einsatz erwiesen
  • Patentierte , konzentrierte Lösung auf Basis von quartären Ammoniumverbindungen (kein Phosphat)
  • Geringer Verbrauch nur 1%-2% Dosierung =
    2 – 4 l/200 l Wasser

EasyStrideTM

  • Premium Klauendesinfektionsmittel für eine gute Klauenhygiene
  • Wirksamkeit im praktischen Einsatz erwiesen
  • Desinfektion auf Basis von organischen Säuren
  • Nicht gesundheits- und umweltschädlich
  • Biologisch abbaubar
  • Gelistet in der Liste für den ökologischen Landbau in Deutschland (FiBL)
  • Blauer Indikatorfarbstoff ist gut an den Klauen zu erkennen und zeigt durch Farbumschlag von blau zu grün an, dass das Klauenbad erneuert werden muss
  • Dosierung für das Klauenbad: 2% = 4 l / 200 Wasser
  • Dosierung Sprühanwendung: 8% = 800 ml / 10 l Wasser

 

Für die richtige Anwendung von Klauenbädern stellen wir unsere Kurzanleitung 10 Goldene Regel zur Klauendesinfektion zur Verfügung.

 

 

Autor/Verfasser:
Stephan Herrmann, DeLaval GmbH 

 Hygiene Information - Tiergesundheit zum downloaden >>

 

 

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