
Hamra Farm – optimaler Wasserzugang im Milchviehstall
So nutzen wir jeden Tropfen optimal
Wasser wird oft als das günstigste „Futtermittel“ im Stall bezeichnet – und gleichzeitig ist es eines der wichtigsten. Die Milchproduktion stellt hohe Anforderungen an die Wasseraufnahme. Milchkühe benötigen daher deutlich mehr Wasser als Fleischrinder, um ihre Futteraufnahme und tägliche Milchleistung aufrechtzuerhalten..
Ohne schnellen und einfachen Zugang zu sauberem, zuverlässig verfügbarem Trinkwasser trinken Kühe nicht ausreichend. Sinkt die Wasseraufnahme, folgen Futteraufnahme und Milchleistung unmittelbar.
Deshalb sollte der Wasserzugang – und das gesamte Tränkesystem – von Anfang an in die Stallplanung integriert werden.
Auch bei der jüngsten Erweiterung auf der Hamra Farm wurde genau dieser Ansatz verfolgt: Wasser wurde als zentrales Element der Stallplanung betrachtet. Unser Ziel war klar: Kühen jederzeit einfaches Trinken zu ermöglichen – ohne Konkurrenz oder Stress.
Dafür wurde das gesamte Wassersystem ganzheitlich geplant – inklusive Tränkenkapazität und -platzierung, Durchflussleistung, Tierbewegungen und Lösungen für kalte Winterbedingungen. Das Ergebnis ist ein System, das das natürliche Trinkverhalten über den gesamten Tag hinweg unterstützt und so Futteraufnahme und Milchleistung stabil hält.

Ein Blick in den VMS-Stall
Über Wasser zu sprechen ist das eine – zu sehen, wie Kühe es tatsächlich nutzen, etwas anderes. William Eriksson (Market Area Development, Eastern Europe, DeLaval) zeigt im VMS-Stall, wie Kühe im Alltag auf Wasser zugreifen.
Warum die Platzierung entscheidend ist
Nicht nur die Verfügbarkeit zählt – die richtige Platzierung ist entscheidend. Kühe trinken häufig und in kleinen Mengen, besonders rund um Fressen und Melken.
Tränken sollten daher so positioniert sein, dass sie sich natürlich in die Bewegungsabläufe der Kühe einfügen.
Kühe stellen sich nicht in eine Schlange, drängen sich nicht an anderen vorbei und machen auch keinen Umweg, nur um zu trinken. Wenn die Tränkstellen zu weit entfernt oder in belebten, unbequemen Bereichen liegen, trinken die Kühe einfach nicht so viel, wie sie sollten. Und das ist ein Problem. Wenn Kühe weniger trinken, fressen sie auch weniger. Die Verdauung leidet darunter und die Milchleistung sinkt in der Regel.
Um dieses Problem anzugehen, musste der Zugang zu Wasser als Teil der täglichen Bewegung der Kühe geplant werden, nicht als isolierte Tränkstellen. Die Platzierung und Kapazität der Tränken wurde unter Berücksichtigung der Kuhbewegungen, Fütterungsbereiche und Ruhezonen geplant, wobei besonderes Augenmerk auf ganzjährige Zuverlässigkeit gelegt wurde. In einem kalten Klima bedeutet das auch, den Zugang zu Wasser so zu gestalten, dass er im Winter nutzbar und attraktiv bleibt und nicht nur an milderen Tagen funktioniert.

Wasserplatzierung im VMS-Stall
Im VMS-Stall der Hamra Farm befinden sich Tränken an jedem Quergang und entlang des Futtergangs. Wenn sie entlang der Wege positioniert sind, die die Kühe ohnehin nutzen, wird die Wasseraufnahme Teil ihrer täglichen Bewegung. So haben unsere Kühe einfachen Zugang zu Wasser ohne Umwege oder Verzögerungen, was eine regelmäßige Wasseraufnahme über den Tag hinweg fördert und dazu beiträgt, eine stabile Verdauung und Produktion aufrechtzuerhalten.
Dies sorgt zudem für einen reibungslosen Kuhfluss und unterstützt regelmäßige Roboterbesuche, ohne unnötigen Druck im Melkbereich zu erzeugen.
Durch die Platzierung der Tränken vorwiegend in breiten Quergängen statt direkt in den Hauptlaufgängen können die Kühe stehen und trinken, während andere Kühe ungehindert hinter ihnen vorbeigehen. Eine einfache Faustregel lautet, dass eine ausgewachsene Kuh stehen und trinken können sollte, ohne sich bedrängt zu fühlen, wobei hinter ihr in beide Richtungen Platz für mindestens zwei weitere Kühe sein sollte, die ungehindert vorbeigehen können. Dies ist besonders in stark frequentierten Bereichen wichtig. Das reduziert Stress und Konkurrenz und fördert ruhiges Herdenverhalten.

Wartebereiche und temporäre Gruppen
In Bereichen mit temporärer Gruppenbildung (z. B. Wartehöfe oder VIP-Bereiche) werden kleinere Edelstahl-Tränkebecken eingesetzt.
Diese funktionieren per Druckmechanismus:
Die Kuh betätigt mit dem Kopf das Ventil und sofort fließt frisches Wasser nach. Das ermöglicht einen schnellen und zuverlässigen Zugang zu Wasser ohne, dass Tränken in voller Länge erforderlich sind.

Kapazitätsplanung für Spitzenbedarf: Tränkelänge pro Kuh
Eine gute Platzierung allein reicht nicht aus, wenn zu viele Kühe gleichzeitig trinken wollen. Die Kapazität spielt daher eine zentrale Rolle bei der Gesamtplanung des Wassersystems.
Auf der Hamra Farm haben wir die Empfehlung von DeLaval befolgt, mindestens 10 Zentimeter Wassertränkelänge pro Kuh vorzusehen. Bei rund 350 Kühen entspricht dies einer Gesamtlänge von mindestens 35 Metern. Dies bildet eine Grundlage, die es dem System ermöglicht, Zeiten mit Spitzenbedarf zu bewältigen, beispielsweise unmittelbar nach dem Melken oder bei warmem Wetter

Edelstahltränken und hohe Durchflussleistung
Es kommt nicht nur auf die Größe und die Positioning der Tränken an – Sauberkeit spielt eine ebenso wichtige Rolle. Sauberes Wasser ist unerlässlich, da Kühe sehr empfindlich auf Geschmack und Geruch reagieren und schon geringfügige Veränderungen der Wasserqualität die Wasseraufnahme verringern können.
Edelstahltränken wurden aufgrund ihrer Langlebigkeit, ihrer hygienischen Oberfläche und ihrer einfachen Wartung ausgewählt. Zur Unterstützung der täglichen Hygiene tragen die Mitarbeiter routinemäßig eine DeLaval-Reinigungsbürste in der Tasche, sodass sie die Tränke während der täglichen Rundgänge schnell und einfach reinigen können. Die Tränken sind zudem kippbar, was die regelmäßige Reinigung schneller macht.
Genauso wichtig wie die Sauberkeit ist es, dass die Tränken schnell wieder aufgefüllt werden, insbesondere zu den Haupttrinkzeiten, damit die Kühe nie auf Wasser warten müssen. Hochleistungsventile liefern bis zu 32 Liter pro Minute und stellen sicher, dass den Kühen stets ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Selbst wenn mehrere Kühe gleichzeitig trinken, bleibt der Durchfluss konstant, sodass den Kühen das Wasser nicht ausgeht und es zu keinen Unterbrechungen kommt, die die Wasseraufnahme einschränken könnten.
Ein für kalte Klimazonen konzipiertes Wassersystem
Da wir in Schweden ansässig sind, mussten bei der Planung des Wassersystems für den Milchviehstall von Anfang an die saisonalen Bedingungen berücksichtigt werden. Kalte Winter können schnell zu Problemen führen, wenn Wassersysteme nicht so ausgelegt sind, dass sie auch bei niedrigen Temperaturen funktionsfähig bleiben.
Um ein Einfrieren zu verhindern, wird das Wasser im System ständig in Bewegung gehalten. Das Zirkulationssystem verfügt über eine zentrale Heizung, die im Winter bei Bedarf aktiviert wird. Indem das Wasser zirkuliert und erwärmt wird, wird die Bildung von Eis in Rohren und Wasserhähnen verhindert und sichergestellt, dass das ganze Jahr über stets sauberes, trinkbares Wasser zur Verfügung steht – ohne auf provisorische Lösungen oder Notfallmaßnahmen angewiesen zu sein.
Das Wassersystem ist zudem mit dem Vorkühlsystem für die Milch verbunden. Wenn die im VMS gesammelte Milch in die Kühltanks geleitet wird, wird sie mit Wasser gekühlt. Während der warmen Milch Wärme entzogen wird, wird diese Wärme auf das Wasser übertragen und erwärmt das Wasser leicht. Anstatt diese Wärme verloren gehen zu lassen, wird das leicht erwärmte Wasser in das Wassersystem des Betriebs zurückgeführt und wiederverwendet. Dies ist besonders vorteilhaft in einem kalten Klima, wo die Verwendung von Wasser, das nicht eiskalt ist, das Gefrierrisiko verringert und es ermöglicht, die bereits im System vorhandene Energie besser zu nutzen.
Ein System, das über alle Jahreszeiten hinweg zuverlässig funktioniert, trägt zum Kuhkomfort, einer gleichmäßigen Wasseraufnahme und reibungslosen Tagesabläufen im Stall bei.

Die Integration der Wasserversorgung in die Gesamtplanung des Stalls
Und hier ist ein weiteres Video, das Ihnen einen tieferen Einblick in die Planung gibt. William erläutert, wie die Wasserversorgung im VMS-Stall konzipiert wurde, und geht dabei auf die Platzierung, die Entwässerung und die Frage ein, wie all dies einen reibungslosen Kuhfluss im täglichen Betrieb unterstützt.
Wassersysteme müssen gemeinsam mit den Böden, der Entwässerung und anderen technischen Systemen im Stall geplant werden. Wenn man sich frühzeitig Gedanken über die Wasserversorgung macht, lässt sich verschüttetes Wasser leichter bewältigen und die Gänge im täglichen Betrieb trocken halten.
Eine Entwässerung unter den Tränken wird dort eingesetzt, wo sie benötigt wird, um verschüttetes Wasser abzuleiten und übermäßige Feuchtigkeit in den Gängen zu verhindern. Dies ist besonders wichtig in Ställen, in denen Mistroboter zum Einsatz kommen, da übermäßig nasse Oberflächen die Leistung und Zuverlässigkeit der Roboter beeinträchtigen können.
Gleichzeitig sollten die Gänge nicht zu trocken werden. Bei zu trockenen Bedingungen – insbesondere im Sommer – kann der Mist austrocknen und am Boden haften bleiben, was die Aufnahme durch den Roboter erschwert. In Gängen mit blankem Betonboden ohne Gummimatten kann getrockneter Mist zudem eine rutschige Schicht bilden, wodurch das Risiko steigt, dass Kühe den Halt verlieren. Die Aufrechterhaltung des richtigen Gleichgewichts unterstützt eine effektive Mistabfuhr, eine gute Klauengesundheit und eine sichere Bewegung der Kühe.
Unsere wichtigste Erkenntnis: Kleine Entscheidungen haben nachhaltige Auswirkungen
Keine dieser Gestaltungsentscheidungen sticht für sich genommen besonders hervor. Doch in ihrer Gesamtheit – Zugang, Kapazität, Platzierung, Hygiene und Anpassung an das Klima – zeigen sie, warum Wassersysteme eine hohe Aufmerksamkeit verdienen.
Eine sorgfältige Planung des Wassersystems hat nachhaltige Auswirkungen auf das Wohlergehen der Kühe, die Funktionalität des Stalls und die Produktionseffizienz. Denn wenn Wasser leicht zugänglich ist, trinken die Kühe mehr – was die Futteraufnahme, den Komfort und die Leistung der gesamten Herde fördert.
- Weiter in der Reihe: Lesen Sie, wie wir unsere Gänge sauber halten – durch intelligente Mistroboter und eine durchdachte Stallgestaltung – und warum saubere Gänge für den Komfort der Kühe, die Effizienz und die Nachhaltigkeit wichtig sind.